3. Gottes Willen kennen – die Gemeinde

Erst wenn wir Gott kennen, werden wir verstehen, wie er die Gemeinde bauen will. Gottes Wege sind höher als unsere Wege und seine Gedanken höher als unsere Gedanken (Jes. 55:9). Wir dürfen deshalb nicht unsere menschlichen Vorstellungen als Grundlage für den Bau der Gemeinde nehmen.



Die Söhne Aarons z.B. hatten Gottes Wort missachtet und nach ihren Vorstellungen gehandelt. Sie wurden dafür getötet. Denke nicht, dass Gott so weitherzig ist und alles erlaubt. Er ist zwar in manchen Aspekten sehr weitherzig, jedoch ist er in bestimmten Punkten äußerst eng. Das Wort sagt aus diesem Grund: "Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer" (Hebr. 12:29) und: "Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen" (Hebr. 10:31).

Ein heiliges und gerechtes Leben

Gerechtigkeit ist die Basis des Werkes Gottes. Jesu Sterben am Kreuz für unsere Sünden war wegen Gottes Gerechtigkeit notwendig. In Röm. 1:17 heißt es: "Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart" und: "Der Gerechte wird durch Glauben leben." Obwohl uns Gott so sehr liebte, konnte er uns ohne den Tod seines Sohnes nicht vergeben. Jesus Christus musste dafür alle unsere Ungerechtigkeiten tragen.

Durch den Glauben an Jesus Christus sind wir gerecht vor Gott. In unserem Wandel müssen wir uns jedoch Tag für Tag seine Gerechtigkeit zu eigen machen. Diese zweite Gerechtigkeit ist subjektiv und von großer Bedeutung für den Bau der Gemeinde.

Das Leben von Paulus war geprägt von Heiligkeit und Gerechtigkeit. Er rief nicht nur die Heiligen, sondern auch Gott als Zeugen an, dass sein Wandel heilig und gerecht war (1. Thess. 2:10). Gott ist Zeuge von allem Verborgenen, das wir tun. Die Tatsache, dass Paulus den, der das Verborgene sieht, als Zeuge anrief, offenbart, wie sehr Paulus Gott kannte. Manche haben Furcht, verkehrt zu handeln, wenn Menschen zusehen, aber keine Furcht, Unrecht im Verborgenen zu tun, wo nur Gott zusieht. Wir sollten vielmehr Gott fürchten.

Die Gemeinde ist Gottes Haus. Unser heiliger Gott wohnt in einem heiligen Haus und erlaubt dort keine Vermischung. Dies wird durch die Tatsache deutlich, dass am Ende dieses Zeitalters alles mit Feuer geprüft und alles, was nicht mit seiner Natur übereinstimmt, verbrannt wird. Deshalb sollen wir uns heute heiligen.

Christus möchte eine heilige Gemeinde haben, die ohne Flecken und Runzeln oder etwas dergleichen ist (Eph. 5:27). Es geht ihm bei der Gemeinde nicht um ein erfolgreiches Werk. Die Gemeinde soll vielmehr sein Gegenüber sein, seine Braut, die ihm in jeder Hinsicht entspricht.

Bei Angelegenheiten der Gemeinde denken wir, dass jeder die Freiheit hat, sie nach eigenem Gutdünken auszuführen. Handelt es sich um dein Haus, darfst du tun, was du willst. Niemand sonst hat das Recht, so in deinem Haus zu handeln. Wie viel weniger haben wir dann das Recht, zu bestimmen, wie es in Gottes Haus zugehen soll. Das Haus Gottes ist nicht ein Ort, an dem in bezug auf Gottes Werk jeder frei seine Meinung äußern darf. Wer so frei auf seiner Meinung beharrt, hat keine Gottesfurcht und kennt Gott nicht. Ich bin oft in Furcht vor dem Herrn und bete: "Vater, wie willst du dein Haus bauen?" In der Bibel gibt es die Sünde der Vermessenheit. Möge keiner von uns in diese Sünde fallen.

Nirgends in der Schrift hat es der Herr dem Menschen überlassen zu bestimmen, wie sein Haus gebaut werden soll. Sowohl beim Bau der Stiftshütte als auch beim Bau des Tempels hat Gott alles bestimmt. Salomo war der weiseste Mensch auf Erden, aber er hatte keine eigene Meinung bezüglich des Baues Gottes. Gott legte sehr genau den Ort, die Materialien und die Maße für den Bau fest. Zudem gab er im Detail vor, wie gebaut werden sollte. Der Bau des Tempels ist jedoch nur ein Schatten des Baues, der kommen sollte, nämlich der Gemeinde.

Jerusalem

Gott hatte im Alten Testament einen Ort für den Bau seines Hauses bestimmt, Jerusalem. Zion ist der alleinige Ort, an dem Gott wohnen wollte. Welche geistliche Bedeutung hat Jerusalem für uns heute?

Jerusalem – der Ort der Anbetung

Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. ... Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, dass die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit ... (Joh. 4:21, 23).

Im neuen Bund ist der Ort der Anbetung kein physischer Ort wie im Alten Testament. Wir sollen auch nicht Opfertiere hinbringen, sondern in der Wahrheit anbeten, nämlich mit Christus als der Wirklichkeit aller Opfer. Der Ort der Anbetung ist heute im Geist. Wir können daher den ganzen Tag und überall Gott anbeten. Auf der Arbeit kannst du in deinem Geist sein und mit Gott Gemeinschaft haben. Beim Kochen kannst du ins Allerheiligste hineingehen.

Jerusalem ist der Ort der Einheit

Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Haus des Herrn! Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll, wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des Herrn (Ps.122:1-4).

In diesem Psalm heißt es, dass Jerusalem die Stadt ist, wohin alle Stämme zur Anbetung hinaufziehen. Auf dem Weg nach Jerusalem haben sie Psalm 133, einen Psalm der Einheit, gesungen. Jerusalem ist ein Ort, an dem die Kinder Israel miteinander versöhnt sein mussten, sonst konnten sie nicht in Einheit vor Gott erscheinen.

Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, das herabfließt in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides, wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions! Denn dort verheißt der Herr den Segen und Leben bis in Ewigkeit (Ps.133).

Wie Jerusalem als der Ort der Anbetung seine Entsprechung im neuen Testament hat, genauso hat Jerusalem als der Ort der Einheit seine Entsprechung im neuen Testament. Die Einheit im neuen Testament hat zwei Aspekte:

1. Die Einheit des Geistes

Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einerlei Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen (Eph. 4:4-6).

In diesen Versen wird die essentielle Seite der Einheit, die innere Einheit, beschrieben. Die Einheit des Geistes, wie die Einheit in diesen Versen benannt wird, hat als einzige Basis den dreieinen Gott: ein Geist, ein Herr und ein Gott und Vater aller. Du darfst keinen anderen Faktor der Einheit hinzufügen. Selbst ein Apostel ist nicht qualifiziert, die Basis der Einheit zu sein. Hierin ist Gott sehr eng. Sobald eine Person zu einem Faktor unserer Einheit wird, ist sie ein Faktor der Spaltung. Wir betrügen uns selbst, wenn wir in unterschiedlichen Gruppen mit ihren jeweiligen Faktoren der Einheit sind, uns aber gleichzeitig auf die Einheit des Geistes berufen. Die Einheit des Geistes zu halten bedeutet, alle anderen Faktoren abzuweisen.

2. Ein Ort – eine Gemeinde

Der äußere Aspekt der Einheit ist, dass es an einem Ort nur eine Gemeinde geben darf. In Ephesus gab es damals nur eine Gemeinde. Genauso verhielt es sich mit allen anderen Gemeinden, die im neuen Testament erwähnt werden. Gott hat nur einen Leuchter an einem Ort. Dies ist das klare Muster der Schrift. Ich kann dazu nur "Amen" sagen.

Der innere und der äußere Aspekt der Einheit gehen zusammen. Sie dürfen nicht voneinander getrennt werden. Sie gehen zusammen wie dein Geist und dein Leib. Willst du nur den Leib ohne den Geist haben, hast du einen Leichnam. Willst du nur den Geist ohne den Leib haben, bist du ein Spuk. Der Geist hat ohne den Leib keinen Ausdruck, und der Leib ist ohne den Geist tot. Deshalb kannst du nicht sagen, dass du nur den inneren und nicht den äußeren Aspekt brauchst.

Diese beiden Aspekte der Einheit grenzen uns ein. Das ist der Stand der Gemeinde, das ist unser heutiges Jerusalem. Wir müssen alle zu diesem Grund der Einheit zurückkommen, um die Gemeinde aufzubauen.

Babylon

Der Gegensatz von Jerusalem ist Babylon. Babylon steht für Verwirrung, Zerstreuung, Spaltung und das Fleisch.

Die Hure Babylon, die in Offenbarung Kapitel 17 beschrieben wird, ist bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen (V. 4). Sie vermittelt den Eindruck, der reinen Braut, der Gemeinde, gleich zu sein. Wenn du auf die kostbaren Materialien schaust, denkst du, dass Babylon von Gott ist. In Wahrheit ist sie jedoch "die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde" (V. 5). Johannes sagt: "Ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu" (V. 6).

In der Hand hatte sie einen goldenen Becher, "voll Gräuel und Unreinheit ihrer Unzucht" (V. 4). Äußerlich ist ein wunderbarer, goldener Becher zu sehen; wer sich jedoch mit der Hure einlässt, wird vom Gräuel und der Unreinheit ihrer Unzucht befleckt.

Als eine Hure steht Babylon für das Prinzip der Vermischung. Statt einem Mann treu zu sein, ist sie ohne Einschränkung und unterhält Beziehungen zu vielen. Die katholische Kirche wie auch andere Kirchen unterhalten unrechtmäßige Beziehungen zu der Welt (Vv. 1-2). Viele christliche Gruppierungen und Werke sind mit weltlichen Methoden und Praktiken durchsäuert. Ferner ist der Glaube mit Elementen aus heidnischen Religionen, wie z.B. den Weihnachtsbaum, den Osterhasen, vermischt.

Gemäß Vers 5 ist Babylon ein Geheimnis. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir es nicht durchschauen können. Babylon ist konkret und fassbar, angefangen von der katholischen Kirche bis hin zu den heutigen Spaltungen. Im Geist sehen wir die Hure Babylon in aller Deutlichkeit (V. 3).

Wir sind gegen Babylon, aber nicht gegen die Christen, die dort gefangen sind. Babylon ist ein System, das Gottes Volk gefangenhält, damit es nicht nach Jerusalem zum Aufbau des Tempels zurückkehrt. In Offb. 18:4 heißt es deshalb: "Gehet aus von ihr, mein Volk ...!"

"Ortsgemeinden"

Die Einheit des Geistes und das Prinzip von einer Gemeinde am Ort sind der Stand der Gemeinde. "Ortsgemeinde" ist nicht unser Name. Der Begriff Ortsgemeinde beschreibt, was wir sind, nämlich die Gemeinde an diesem Ort, die Gemeinde in Hamburg.

Wer gehört zur Gemeinde? Manche sagen, die Ortsgemeinde umfasst alle Heiligen am Ort und verweisen auf das Buch von W. Nee, "Das normale Gemeindeleben". Alle Heiligen am Ort gehören zu der Gemeinde am Ort, aber die Zugehörigkeit zur Gemeinde muss auch praktisch sein. Sonst ist die Frage nach der Zugehörigkeit eine bloße Theorie. Die Aussage von W. Nee muss im Zusammenhang des ganzen Buches gesehen werden, denn an anderer Stelle sagt er, dass die Christen, die sich in verschiedene Lager getrennt haben, Sekten angehören.

Zu Beginn des Gemeindelebens gab es am jeweiligen Ort nur eine Gemeinde. Damals war es selbstverständlich, dass alle Gläubigen am Ort die Gemeinde am Ort bildeten. Im Laufe der Geschichte haben sich jedoch viele Kirchen gebildet. Behaupte nicht, daß diese Kirchen die Gemeinde sind. Sie sind Spaltungen, und die Christen dort befinden sich in Gefangenschaft. Gott will, dass sein Volk aus den Spaltungen herauskommt und die Einheit festhält. Diese Einheit hat, wie bereits beschrieben, zwei Aspekte, den inneren und den äußeren.

Der Aufbau der Gemeinde

Wir sind nach Jerusalem zurückgekommen, um den Tempel aufzubauen. Der Aufbau ist weit mehr als nur gute Gemeinschaft zu haben. Z.B. kannst du auch mit einem Priester der katholischen Kirche gute Gemeinschaft haben. Das ist jedoch nicht der Aufbau der Gemeinde. Der Tempel konnte damals nur in Jerusalem gebaut werden. Das Haus Gottes, die Gemeinde, kann in gleicher Weise nur auf dem richtigen Grund gebaut werden.

Praktisch sind nur die, die zu diesem Grund zurückgekehrt sind, die Gemeinde. Der Zahl nach gehören alle Christen zur Gemeinde, aber viele wollen nicht die Spaltungen verlassen und zu dem Gott-verordneten Grund zurückkommen. Es ist wie beim Volk Israel. Praktisch sind nur die Israeliten, die in Israel wohnen, die Nation Israel. Der Zahl nach gehören alle Juden zur Nation Israel, aber die meisten wollen nicht nach Israel zurückehen. In New York wohnen mehr Juden als in Israel, dennoch ist New York nicht Israel. Ein Jude aus Israel kann mit den Brüdern dort gute Gemeinschaft haben, aber um die Nation zu repräsentieren, muss man in Israel wohnen.

Weil wir zurückgekommen sind, sind wir nicht besser als die anderen. Wir wollen jedoch dem Herrn gehorchen und sind zum Gott-erwählten Stand zurückgekommen, um sein Haus, die Gemeinde, zu bauen.

Unsere Aufgabe auf diesem Stand ist es, mit der Wirklichkeit Jesu Christi zu bauen. Manche sagen, dass wir mit allen Christen eins sein müssen. Gott hat uns jedoch nicht beauftragt, Einheit zwischen der Gemeinde und den Spaltungen herzustellen. Obwohl wir mit Gläubigen in den Spaltungen gute Gemeinschaft haben können, akzeptieren wir die Spaltungen nicht. Babylon ist eine Tatsache im Wort, und Gott verurteilt die Spaltungen. Versuche deshalb nicht, alle Christen zu vereinigen. Das kann niemand. Wie willst du den Papst überzeugen? Kannst du die Synoden der Staatskirche überzeugen? Unsere Aufgabe ist es statt dessen, nach Jerusalem zurückzukehren und dort den Tempel aufzubauen. Wer ein Ohr hat zu hören, was der Geist den Gemeinden sagt, wird kommen und in Einheit das Haus des Herrn bauen.

Zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft hat Gott nicht verlangt, dass alle zurückkehren. Das Zurückkehren war damals und ist auch heute freiwillig. Gott wird niemanden zwingen. Denn nur einer, der aus freien Stücken zurückkehrt und den Herrn liebt, wird sein Haus bauen. Nur ein Bruchteil der Juden kehrte aus der babylonischen Gefangenschaft zurück. Heute ist es nicht anders.

Die Materialien für den Aufbau

Die Gemeinde wird mit Gold, Perlen und Edelsteinen gebaut. Alle anderen Materialien werden verbrannt, wenn der Herr wiederkommt. Beim Neuen Jerusalem kommt es nicht nur auf die Materialien an, sondern es wird auch nach Gott-vorgegebenen Maßen gebaut. Die Stadt wird mit einem goldenen Rohr gemessen. Dieses Rohr hat das Maß eines Menschen, das dem eines Engels gleicht. Da wir Menschen den Engeln in der Auferstehung gleich sein werden, ist das Maß, womit alles gemessen wird, Tod und Auferstehung. Alles, was natürlich ist, muss durch den Tod gehen. Wenn deine natürliche Gabe und Befähigung nicht durch den Tod gegangen ist, wirst du nur Probleme in der Gemeinde verursachen. Gottes Haus darf nur seinem Wesen gemäß gebaut werden. Es ist Gottes Haus und in seinem Haus bestimmt er, wie er es haben will.